{"id":220,"date":"2022-09-22T22:15:56","date_gmt":"2022-09-22T20:15:56","guid":{"rendered":"https:\/\/zukunft-gestalten-bosnien.de\/blog\/?p=220"},"modified":"2022-09-22T22:19:59","modified_gmt":"2022-09-22T20:19:59","slug":"vision-gesucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zukunft-gestalten-bosnien.de\/blog\/2022\/09\/22\/vision-gesucht\/","title":{"rendered":"Vision gesucht"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Zerf\u00e4llt Bosnien?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Beitrag von Monika Kleck <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p> <\/p>\n\n\n\n<p>So lautete in den letzten Monaten die \u00dcberschrift vieler Zeitungsartikel.<\/p>\n\n\n\n<p>Kein Wunder, Milorad Dodik, der Pr\u00e4sident der serbischen Republik proklamiert bei jeder Gelegenheit, dass er eine Abspaltung der serbischen Republik plant und danach einen baldigen Anschluss an Serbien. Die kroatischen Seite argumentiert damit, dass sie st\u00e4ndig benachteiligt sei und will eine dritte Entit\u00e4t. (Notiz am Rande: bei der Beteiligung in \u00c4mtern sind die Kroat:innen definitiv nicht benachteiligt)<\/p>\n\n\n\n<p>Aus meiner Erfahrung in Tuzla, einer Stadt in der das Zusammenleben immer noch relativ gut funktioniert, habe ich dies lange als politische Propaganda empfunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Jahr dann, als Dodik mit konkreten Abspaltungsschritten begann und Putin eine Spaltung Bosniens als Triumph \u00fcber den Westen sehen w\u00fcrde, schien die Gefahr auf einmal wesentlich gr\u00f6\u00dfer und konkreter. Gleichzeitig brachte der Krieg in der Ukraine neue positive Aufmerksamkeit f\u00fcr das Land. Endlich scheint sich die internationale Gemeinschaft wieder zu k\u00fcmmern. Verschiedenste Staatsoberh\u00e4upter besuchten Bosnien und die Region, Dodik wurde in seinen Bestrebungen zur\u00fcckgedr\u00e4ngt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun stehen Wahlen an. Am 2. Oktober werden die Staatspr\u00e4sidenten, das Abgeordnetenhaus, die Entit\u00e4tsparlamente und -pr\u00e4sidenten, die Kantonsparlamente gew\u00e4hlt. Unter diesen Voraussetzungen ist nat\u00fcrlich kein fairer und konstruktiver Wahlkampf zu erwarten. Wie immer geht es nicht um eigene Programme, um Diskussionen von Werten, Aufbau und Entwicklung, sondern nur um den Schutz der eigenen Ethnie, die aufgebauschte Drohung durch die anderen Ethnien, Angstszenarien beherrschen die Szene. Eine Stimme in Bosnien dr\u00fcckte es einmal so aus: \u201ewir haben gelernt, dass unsere Ethnie wichtiger ist als ein EU-Beitritt und fortschrittliche Entwicklung\u201c. Interessant ist, dass es bei den Wahlen 2018 nicht gelang, eine Regierung der F\u00f6deration zu bilden, so dass die Regierung aus dem Jahr 2014 noch im Amt ist. Ob es diesmal gelingt, eine tragf\u00e4hige Koalition zu schmieden, die nicht boykottiert wird, ist \u00e4u\u00dferst ungewi\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch: mit der \u00fcblichen alten Wahlkampfmasche und der gleichzeitigen erh\u00f6hten internationalen Aufmerksamkeit, war mein Gef\u00fchl, dass am Ende nichts passieren wird.<\/p>\n\n\n\n<p>So richtig Nachdenklich gemacht haben mich allerdings die Schlagzeilen der Woche vom 12. &#8211; 18.9.2022 . Auf der Einen Seite reiste der kroatische Pr\u00e4sident durch Bosnien und an mehreren Stellen leugnete er in seinen Reden, dass es in Srebrenica einen Genozid gegeben h\u00e4tte. Gleichzeitig forderte er, dass im Rahmen der EUFOR Mission auch kroatische Soldaten nach Bosnien gesandt werden (dabei waren kroatische Soldaten in Kriegsverbrechen in Bosnien verwickelt). Und immer wieder die Forderung das Wahlgesetz zu \u00e4ndern, um die kroatische Benachteiligung abzuschaffen (defakto w\u00e4re dies aber eine Zementierung der Macht der nationalistischen HDZ). Fast parallel dazu besuchte der serbische Pr\u00e4sident Vucic Bijeljina. Hier wurde die Er\u00f6ffnung des Autobahnbaus Bijeljina Raca gefeiert und der Tag der serbischen Einheit. Dabei begr\u00fc\u00dfte Dodik Vucic auf \u201eseinem\u201c (Vucics) Territorium und dies wurde von ihm nicht zur\u00fcckgewiesen. Dabei gibt es noch immer eine eindeutige Staatsgrenze zwischen den beiden Staaten. Die Selbstverst\u00e4ndlichkeit, mit der die beiden benachbarten Staatspr\u00e4sidenten Teile Bosniens f\u00fcr sich vereinnahmen ist frappierend und erschreckend. Es scheint zur Normalit\u00e4t geworden zu sein, dass es Risse im Staatsgebilde gibt und die einen Anspruch auf ein Territorium legitimieren. Damit werden Vorstellungen als faktisch dargestellt, die es nicht sind. Aber diese Worte und Gesten hinterlassen Spuren und Gewissheiten, die be\u00e4ngstigend sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wird wirklich Zeit, Fakten in Richtung Einheit zu schaffen, indem solche Abl\u00e4ufe Konsequenzen nach sich ziehen und man nicht erst auf das Wahlergebnis wartet. Dazu br\u00e4uchte es aber einen Zusammenschluss aller Kr\u00e4fte, die ein vereintes b\u00fcrgerliches Bosnien m\u00f6chten. Nicht nur die Parteien, sondern auch Zivilgesellschaft und Firmen m\u00fcssen an einem Strang ziehen. Denn das Land steht vor den gleichen Herausforderungen wie ganz Europa: Krieg in der Ukraine, erh\u00f6hte Energiepreise, Covid-Pandemie, Klimawandel mit Naturkatastrophen, eine schw\u00e4chelnde Wirtschaft. Hinzu kommt noch spezifisch die Migration.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wird h\u00f6chste Zeit eine gemeinsame Vision zu bilden und zu handeln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zerf\u00e4llt Bosnien? 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